Ein Jahr PIA Aichach: mehr Räume, mehr Mitarbeitende und steigende Patientenzahlen

Ein Jahr nach der Eröffnung der Psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) in Aichach haben die Bezirkskliniken Schwaben eine positive Bilanz gezogen. „Dass offensichtlich ein großer Bedarf vorhanden ist, sehen wir an der großen Nachfrage und dem guten Feedback von Patienten und aus dem Krankenhaus: Alle äußern sich uns gegenüber, dass sie sehr froh seien, diese Versorgung zu haben“, sagt der Ärztlicher Leiter der PIA, Dr. Andreas Gartenmaier.

Die PIA in Aichach ist im Krankenhaus-Altbau untergebracht. Sie nutzt dort Räume gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Sie ist selbstständig, gehört organisatorisch jedoch zum Bezirkskrankenhaus (BKH) Augsburg. Dort arbeitet auch Dr. Gartenmaier. Der Oberarzt hatte bei der Eröffnung am 7. Januar 2020 prophezeit, dass die räumlichen und personellen Ressourcen der Aichacher PIA  bald ausgeschöpft sein würden und man über eine Erweiterung nachdenken müsse.  Er sollte Recht behalten. Inzwischen ist die Einrichtung um drei weitere Räume gewachsen. Die Zahl der Berufsgruppen ist binnen Jahresfrist um zwei auf vier gestiegen: Neben Ärzten inklusive der ärztlichen Verwaltung und Pflegekräften kamen eine Psychologin und ein Sozialpädagoge hinzu. Damit umfasst das multiprofessionelle Team inzwischen acht Mitarbeitende.

Die PIA Aichach ist zuständig für das Gebiet des Landkreises Aichach-Friedberg, das sich nördlich der A8 befindet. In der Einrichtung werden Patientinnen und Patienten ab 18 Jahren ambulant behandelt. „Wir bieten Hilfe im gesamten Spektrum der psychiatrischen Erkrankungen an, solange eine Suchterkrankung nicht im Vordergrund steht“, so der ärztliche Leiter. Die Patientenzahlen sind 2020 kontinuierlich gestiegen– trotz oder wegen Corona.  „Allein im vierten Quartal hatten wir in unserer PIA 170 Patienten. Hinzu kamen im Jahr 2020 171 Konsile im Aichacher Krankenhaus, die wir leisteten“, teilt Dr. Gartenmaier mit. Unter einem Konsil versteht man die patientenbezogene Beratung von Ärzten durch einen entsprechenden Facharzt.

Hilfesuchende, die unter einer psychischen Erkrankung leiden, kommen per Überweisung von psychiatrischen Krankenhäusern, vom Nervenarzt oder vom Hausarzt in die Ambulanz. Patienten, deren Angehörige oder Betreuer können sich auch selbst an die PIA wenden, müssen jedoch zuvor in der Regel einen Fragebogen zur ersten Einschätzung des Bedarfs ausfüllen. „Wir sind keine Beratungsstelle, keine Notaufnahme und kein niederschwelliges Behandlungsangebot“, betont Dr. Gartenmaier. Sollte jemand stationär aufgenommen werden, müsste er ins BKH Günzburg gebracht werden. Die Einrichtung versteht sich nicht als Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten, sondern als Ergänzung und weiterer Baustein der gemeindenahen Versorgung von akut und chronisch psychisch-kranken Menschen in Aichach und Umgebung. Vorrangige Ziele, so der Oberarzt, sind die Sicherung der Kontinuität in der Behandlung inklusive Sicherstellung der Medikation, die Vermeidung von Krankenhausaufnahmen,  das Verkürzen von Aufenthaltszeiten, die Optimierung von Behandlungsabläufen und  die Stabilisierung der sozialen Integration.

Die PIA hat von Montag bis Donnerstag jeweils von 9 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung regulär geöffnet. Die Mitarbeitenden dort sind an allen vier Tagen jeweils bis 17 Uhr im Dienst.

Wie ist der Stand beim Projekt „Tagesklinik Aichach“? Auch wenn bis zu einer möglichen Realisierung noch einige Zeit vergehen wird, so wird im Hintergrund bereits konkret daran gearbeitet. Wie Wolfram Firnhaber, Vorstand der Bezirkskliniken Schwaben, mitteilt, ist inzwischen ein Raum-/ Funktionsprogramm erstellt worden. Dieses dient als Grundlage für ein Gespräch mit dem zuständigen Ministerium. Danach könnten die weiteren Schritte besprochen werden. Wie berichtet, hatte der Krankenhausplanungsausschuss im November2019 bekannt gegeben, dass es in Aichach eine Tagesklinik für Psychiatrie mit 24 Behandlungsplätzen geben soll. Die Einrichtung wird ebenfalls zu den Bezirkskliniken gehören und an das Aichacher Krankenhaus angebunden sein. Landrat Klaus Metzger hatte damals eine Aufstockung des neu gebauten Klinikgebäudes nicht ausgeschlossen.