Vision und Ritual - 25 Jahre Kunsttherapie in Kaufbeuren

Kaufbeuren (pm). Als 1985 unter Anleitung von Johannes Lindner die ersten Patientinnen und Patienten am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren zu Pinseln, Farben und Leinwand griffen, war dies die Geburtsstunde des ersten „Offenen Ateliers“ an einer psychiatrischen Klinik in Bayern. Seither hat sich die Kunsttherapie nicht nur an allen schwäbischen Bezirkskrankenhäusern als eigenständiges therapeutisches Angebot etabliert, sondern wurde das noch junge Berufsbild des künstlerischen Therapeuten weiterentwickelt und auf eine professionelle Basis gestellt. Auch dazu kamen wesentliche Impulse aus dem „Offenen Atelier“ in Kaufbeuren, das bundesweit zum Vorbildmodell für andere Einrichtungen wurde.
Zum 25jährigen Jubiläum des „Offenen Ateliers“ gibt es nun zwei Veranstaltungen: Am Mittwoch, 16. Juni, wird um 19.30 Uhr eine Jubiläumsausstellung mit beispielhaften Arbeiten aus den vergangenen 25 Jahren von Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert eröffnet. Ausstellungsort ist das Atelier im Bezirkskrankenhaus, Kemnater Straße 16.
Zudem hält der Deutsche Fachverband für Kunst und Gestaltungstherapie am Samstag, 19. Juni, und Sonntag, 20. Juni, eine bundesweite Fachtagung zum Thema „Vision und Ritual“ am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren ab. Die Schirmherrschaft hat der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder übernommen. Zugesagt haben bereits über 110 Teilnehmer, zu den Referenten zählen unter anderem auch die wichtigsten wissenschaftlich tätigen Vertreter dieser noch relativ jungen therapeutischen und wissenschaftlichen Disziplin.
„Schwerpunkt der kunsttherapeutischen Arbeit ist heute die Begleitung von Menschen mit einer psychischen Störung, die im Rahmen der Krisenintervention oder einer psychotherapeutischen Behandlung im Bezirkskrankenhaus mit den Möglichkeiten des bildnerischen Ausdrucks begleitet und therapiert werden“, erläutert Johannes Lindner. Mittlerweile gehören zu den Angeboten des Offenen Ateliers auch die ambulante Nachbetreuung und Krisenprophylaxe nach einen stationären Aufenthalt, die Begleitung bei der psycho-onkologischen Nachsorge für Krebspatienten für das Brustzentrum Allgäu und die Betreuung von Patienten anderer Einrichtungen wie beispielsweise dem Heimbereich der Lebenshilfe mit zum Leistungsspektrum dazu. Monatlich kommen so 60 bis 70 ambulante Klienten in das „Offene Atelier“.
Doch nicht nur durch das neue Konzept wurde diese Einrichtung vor 25 Jahren überregional bekannt, ebenso arbeiteten in Kaufbeuren mit Simone Stingele, Dietrich Orth und Wolfgang Hueber Künstler, die international Anerkennung finden. Der 2008 verstorbene Wolfgang Hueber gilt als der bekannteste Vertreter der „Art brut“. Sowohl für Therapeuten als auch für Künstler steht im Kaufbeurer Atelier jedoch nicht eine mögliche Ausstellung, sondern der kunsttherapeutische Prozess im Vordergrund. „Für die meisten Patienten ist die Kunsttherapie erst einmal nur eine Möglichkeit, sich auszudrücken“, so Johannes Lindner. Nur ein kleiner Teil davon kann und will tatsächlich auch mit den eigenen Werken in die Öffentlichkeit.
Neben der therapeutischen Arbeit war für Johannes Lindner auch Ingolf Kirsch, der 1990 nach Kaufbeuren kam, die Weiterentwicklung des Faches an sich auch ein Anliegen. Beide sind inzwischen auch als Lehrtherapeuten an der Hochschule Nürtingen tätig, wirken am Aufbaustudiengang Künstlerisches Gestalten und Therapie der Akademie der bildenden Künste München mit und sind auch mit den wichtigsten privaten Instituten in Kontakt. Johannes Lindner ist zudem Leiter der Ausbildungskommission des Deutschen Fachverbandes.

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